Die Wiener Dramaturgie - 14. Stück


Gerald Szyszkowitz

 

DIE WIENER DRAMATURGIE

der Freien Bühne Wieden, vierzehntes Stück, am 14. Oktober2008

 

Das Stück DIE DIVA SANDROCK UND IHR DICHTER hatte eigentlich ich schreiben wollen, aber mein Freund Helmut Korherr ist mir zuvorgekommen, und so inszeniere ich jetzt zwar mein fünftes Schnitzler-Stück, aber geschrieben hat es der Korherr, der an dem Autor Schnitzler ebenso einen Narren gefressen hat wie ich.

 

Wir halten beide Schnitzler für den wertbeständigsten österreichischen Dramatiker. Seine Figuren sind immer interessant, seine Konflikte auch hundert Jahre nach ihrer Niederschrift nachvollziehbar, seine Sprache ist präzise und fast jeder Satz ist bezaubernd.

 

Meine erste Schnitzler-Variation in der Freien Bühne hatte vor fünf Jahren seine Uraufführung. PARACELSUS, ein ´Versspiel in einem Akt´ hatte mich schon immer interessiert. Obwohl es in der Renaissance spielt. Mich interessierte die spezielle Situation, dass ein Fremder eine Ehefrau in Anwesenheit ihres Mannes so in Trance versetzen kann, dass sie - da sie nicht mehr kontrollieren kann, was sie redet - ehrlich wird. Ich versuchte, diese Situation in die Gegenwart zu versetzen. Dadurch zwang ich mich, aus dem bewusst altmodischen Deutsch ein bewusst gegenwärtiges zu machen. Und aus den Versen Prosa.

 

Ähnlich erging es mir mit dem Stück DIE SCHWESTERN oder CASANOVA IN SPA, einem ´Lustspiel in Versen´. Das Lustspiel gefiel mir, aber es war zu lang. Und die Verse nahmen der Geschichte jede Unmittelbarkeit ... Aber da mich der Charme der Figuren nicht los ließ, entstand aus zwei Versdramen der Renaissance und des Rokoko das Gegenwartsstück PLAY SCHNITZLER, Uraufführung am 28. 1. 2003, das eines der erfolgreichsten Stücke der Freien Bühne wurde.

 

Meine liebste Schnitzler-Variation war mir aber das Stück DIREKTOR MAHLER. Seit Jahrzehnten wollte ich schon den PROFESSOR BERNHARDI inszenieren, endlich ergab sich im Winter 2005 die Möglichkeit, da fiel mir eine Abhandlung über die antisemitischen Angriffe der Wiener Zeitungen gegen Gustav Mahler in die Hände, und mehr und mehr wurde während der Vorbereitungszeit aus dem PROFESSOR BERNHARDI der DIREKTOR MAHLER, und die rasante Aufführung - Uraufführung 17. 1. 2006 - fand dann nicht nur der Staatsoperndirektor Ioan Holender, der selbst Jude ist, ´außerordentlich gelungen´.

 

Diese intensive Beschäftigung mit Schnitzler-Stücken brachte mir auch den Menschen Schnitzler näher. Ich beschäftigte mich mit seinem Leben, seinen Briefen, seinen Tagebüchern, und sah bald die Parallelen in seinen Stücken und in seinem Alltag. Szenische Konstellationen mit seinen Geliebten wiederholten sich bei ihm auf der Bühne, und wie selbstverständlich ergab es sich also, dass ich in meinem Stück ARTHUR SCHNITZLERS FANNY - Uraufführung 16. 1. 2007 - die Dialoge seiner Novelle FRAU BERTA GARLAN auf die Bühne bringen konnte (nun zwischen den Originalpersonen Schnitzler und Fanny Reich), wobei ich auch Teile aus seiner Komödie KOMTESSE MIZZI sowie Stellen aus seinen Briefen und Tagebüchern verwendete.

 

Ähnlich arbeitete ich bei dem Stück SCHNITZLER UND DAS SÜSSE MÄDEL. Uraufführung 15. 6. 2007 bei den Sommerspielen Schloß Sitzenberg. Alle Szenen, die Schnitzler nach seinen jeweiligen Begegnungen mit seiner Geliebten Mizi Glümer in seine Einakter, Stücke und Romane einbrachte - ANATOL, DAS MÄRCHEN, FREIWILD, DER EINSAME WEG, DER WEG INS FREIE -, versuchte ich zu verbinden, kurz, ich machte aus seinen Szenen und Briefen und Tagebucheintragungen ein neues Stück über eine Schauspielerin und einen Dichter. Also über die Schauspielerin Mizi Glümer und den Dichter Arthur Schnitzler.

 

Und nun kommt der Höhepunkt: In ähnlicher Arbeitsweise hat nun mein Freund Helmut Korherr wieder ein Stück über den verehrten Autor geschrieben, es DIE DIVA SANDROCK UND IHR DICHTER genannt, und das zeigen wir nun als DRITTES STÜCK ÜBER ARTHUR SCHNITZLER unserem mittlerweile auf diesem Gebiet schon recht vorgebildeten Publikum.